Eine gute Pflege und ärztliche Versorgung sind in der Gemeinde auch in Zukunft dringend
notwendig. Um sich ein Bild der aktuellen Situation zu machen, sprach Bürgermeisterkandidatin
Julia Krügers (CDU) in den letzten Wochen mit Akteuren in der Gesundheitsbranche in Schmitten.
Fazit: Die Gemeinde sollte sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen für einen weiteren KV-
Sitz stark machen und aktiv um junge Ärzte werben.

Die Großgemeinde Schmitten ist eine Flächengemeinde. Die gute medizinische Nahversorgung für
die Bewohner in den neun Ortsteilen, mit kurzen Wegen und schneller Hilfe vor Ort, muss auch in
Zukunft sichergestellt werden. Zum heutigen Versorgungsangebot gehören neben den Hausärzten
auch Zahnärzte, Psychotherapeuten, Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Hebammen, ambulante
Pflegedienste und Apotheken.

Hausärztliche Versorgung

Waren bis vor einigen Jahren noch sechs Hausärzte im Ort tätig, so sind es aktuell noch vier.
Gleichzeitig ist die Einwohnerzahl weiter gestiegen und das Seniorenzentrum AGO in Schmitten
wurde eröffnet. Gut 90 Bewohner sind hier medizinisch zu versorgen. Klar, dass die verbleibenden
Hausärzte alle Hände voll zu tun haben. Immer öfter heißt es, „Nein, wir können leider keinen
Patienten mehr aufnehmen.“

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen (KVH) liegt der fiktive Versorgungsgrad in Schmitten für
gesetzlich versicherte Patienten mit den vier Hausärzten (d.h. in diesem Fall auch vier sogenannte
KV-Sitze) bei 75,88%. Ein Versorgungsgrad von 100% würde bedeuten, dass genau so viele Ärzte
zugelassen sind, wie auch benötigt werden. Damit wäre Schmitten unterversorgt. „Die Zahlen der
KVH sind Stand 2018 und werden laut dem Büro in Frankfurt zum Ende des Jahres aktualisiert“, weiß
Julia Krügers. „Da die Einwohnerzahl in Schmitten gestiegen ist, gehe ich davon aus, dass sich der
Versorgungsgrad noch verschlechtert hat“, so die Bürgermeisterkandidatin. „Das kann ich nicht so
stehen lassen. Da werde ich etwas unternehmen“, so Krügers.

Bei der Altersstruktur der Hausärzteschaft liegt das Durchschnittsalter in Schmitten bei 56 Jahren,
und damit über dem Durschnitt in Hessen und dem Hochtaunuskreis. „Ich werde mich aktiv
einsetzen, einen oder alternativ zwei halbe KV-Sitze zusätzlich für Schmitten zu sichern und neue
Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel auch für eine künftige Nachfolge zu gewinnen.“ Krügers geht davon
aus, dass in Zukunft junge Ärzte gegebenenfalls lieber in einem Medizinischen Versorgungszentrum
angestellt sind und auch die Möglichkeit haben wollen, in Teilzeit zu arbeiten. „Auf der anderen Seite
habe ich im Gespräch mit Dr. Regina Wahl in Niederreifenberg auch erfahren, dass die Verteilung von
Hausärzten auf verschiedene Ortsteile gut wäre, denn wir müssen auch die Erreichbarkeit und kurzen
Wege im Falle einer Krankheit im Auge behalten.“ Als Bürgermeisterin will sie hier mit den Ärzten ein
Konzept erarbeiten.

Betreuung von jungen Eltern

Auch die Hebammen sind Teil der gesundheitlichen Versorgung in der Großgemeinde. Beate Eichel
ist aktuell die einzige aktive Hebamme, die sich in einem Umkreis von gut 20 km um die Beratung
und Vorsorge, die Geburtsvorbereitung und -hilfe, sowie Nachsorge und Rückbildung für werdende
Mütter und ihre Babys kümmert. Ihre Kollegin Katrin Gröger ist derzeit selbst in Mutterschutz.
„Aktuell muss ich 2 bis 3 Frauen pro Woche absagen“, berichtet Beate Eichel. „Sobald eine Frau
erfährt, dass sie schwanger ist, empfehle ich daher, schon mal Kontakt aufzunehmen.“ Da es in ganz
Deutschland einen Mangel an Hebammen gibt, wird es schwer werden, hier eine weitere Hebamme
für Schmitten und Umgebung zu finden.

Wichtig ist den Hebammen eine Lösung für ein anderes „Problem“. Schmitten bietet nämlich als
einzige Gemeinde im Umkreis für junge Familien keine Windelsäcke an. „Ich kann mir sehr gut
vorstellen, dass die Gemeinde in Zukunft junge Eltern mit einem kleinen Bonus für die Anschaffung
von Stoffwindeln unterstützt. Obwohl diese gewaschen werden müssen, ist es insgesamt
nachhaltiger, denn ein Baby braucht im ersten Jahr ansonsten gut 2500 Plastikwindeln“, verrät Julia
Krügers. Einen entsprechenden Antrag will Krügers in Kürze in die Gemeindevertretung einbringen,
wobei nicht vergessen werden darf, dass das Windelthema nicht nur Babys betrifft. „Auch viele
pflegende Angehörige in unserer Gemeinde sind bei diesem sensiblen Thema auf Hilfe angewiesen“,
weiß Krügers.

Pflege in Schmitten

Das Ambulantes Pflegeteam Sandra Lederer GmbH mit Sitz in Hunoldstal mit insgesamt gut 25
Mitarbeitern betreut in Schmitten, Neu-Anspach, Usingen und Weilrod gut 100 Klienten in der Pflege,
Hauswirtschaft und auch sozial. Darüber hinaus berät das Team nochmals gut 180 pflegende
Angehörige – größtenteils in der Großgemeinde selbst.

Neben der Parkplatzsituation im Gewerbegebiet bereitet dem Pflegeteam vor allem die geplante Sanierung und damit verbundene Vollsperrung der Hochtaunusstraße / L3025 zwischen Schmitten
und Dorfweil in den Sommerferien 2021, 2022 und 2023 Sorgen. Auch wenn die Sperrungen in die
Sommerferien gelegt wurden, sei es für die Gewährleistung der Pflege und Betreuung notwendig,
eine Durchfahrtmöglichkeit bzw. Umleitung im Ort zu haben. Eine Sorge, die auch die Apotheke in
Schmitten teilt. „Hier muss eine Lösung her, um auf jeden Fall die schnelle medizinische bzw.
pflegerische Versorgung und Erreichbarkeit innerhalb der Gemeinde auch während der Bauphase zu
gewährleisten“, versichert Julia Krügers. „Genauso, wie wir eine Lösung für Feuerwehr und
Rettungsdienst benötigen.“

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